Internationale Workcamps

Die Friedenswerkstatt Mutlangen e.V. bat zum ersten Mal einen internationalen Online-Vortrag auf Zoom an

Die Friedenswerkstatt mit Sitz im historischen Ort der Friedensbewegung und gewaltfreier Aktionen der 80-er Jahre- der Pressehütte – hat seit 1996 jeden Sommer ein internationales Workcamp für 10 bis 15 junge Menschen aus Deutschland und dem Ausland organisiert. Bei einem zweiwöchigen Workcamp, das meistens im Juli stattfindet, an dem alle Altersgruppen teilnehmen dürfen, arbeiten die Teilnehmenden, Teamenden und Aktiven des Vereins an den aktuellen Projekten der Friedenswerkstatt zusammen. So waren wir letztes Jahr eine Woche in Mutlangen und eine Woche in Büchel auf der Eifel in Rheinland-Pfalz. Dort nahmen wir an dem Friedenscamp teil, in dem man von März bis August jedes Jahres eine Aktionspräsenz an dem Stationierungsort von US-Atomwaffen in Deutschland hat. Im Ostalbkreis waren wir in der Organisation und Durchführung von einer Friedensfahrradtour von Mögglingen bis Schorndorf, Hissung der Friedensflagge in mehreren Städten zu dem internationalen Flaggentag der Organisation „Mayors for Peace“, einer Demonstration in Schwäbisch Gmünd und Betreuung von einem Infostand in Schorndorf involviert. 

Diesen Sommer haben wir uns aufgrund von Corona-Beschränkungen und Gefahren dazu entschieden, das Workcamp auf eine Online-Plattform umzuziehen und einen Online-Vortrag für unsere Zielgruppe des Workcamps zum Thema „Nuclear Weapons and Peace Activism in Germany and Worldwide“ mit 5 Referent_innen zu halten. In den zwei Stunden letzten Dienstag hat der langjährige Aktive Volker Nick Zuschauer_innen aus Deutschland, Europa und aus dem weiter entfernten Ausland, wie China, Kasachstan, Südamerika etc., über die Kriminalität der Abschreckungslogik, die Proteste und Blockaden, Aktionen des Zivilen Ungehorsams, gegen Atomwaffen in Deutschland, erzählt. 

WhatsApp Image 2020-06-23 at 15.18.10.jpeg

Wolfgang Schlupp-Hauck hat über die Entstehung der zwei Vereine in der Pressehütte erzählt, und auch warum die Pressehütte so heißt: dort waren nämlich früher Journalist_innen untergebracht, die die Telefonate mit ihren Zentralen führten und über die Lage in Mutlangen mit den Peshing-II-Raketen berichten konnten. Wolfgang erläuterte, wie wichtig es ist, kreative Aktionsformen durchzuführen und möglichst viele Massen für eine Veranstaltung zu mobilisieren. Die Prominenten, die die Aktivist_innen unterstützen, können helfen das Thema mehr in die Medien und somit in die breitere Öffentlichkeit zu bringen. Ein gutes Beispiel dafür ist zB eine Menschenkette zwischen Stuttgart und Ulm. Idealerweise, versucht man aber eine Mischung aus Aktionen und Lobbyaktivitäten durchzuführen, damit die Ziele der Aktionen auch die politische Ebene erreichen und die Politiker_inenn sich verantwortlich für das Lösen des Problems fühlen.

WhatsApp Image 2020-06-23 at 15.39.37.jpeg

Der junge Friedensarbeiter aus dem Netzwerk „Friedenskooperative“ in Bonn Marvin Mendyka hat über die Aktivitäten der Kampagne „Büchel ist überall. Atomwaffenfrei-jetzt“ berichtet, in der mehr als 70 Friedensorganisationen Mitglied sind. Die Sprengkraft der Bomben, gegen die die Kampagne ausgerichtet ist, sind 170 KT. Die größte Petition der Kampagne hat schon fast 100 000 Unterschriften und ist ein Appell an die Bundesregierung zum Unterzeichnen des UN-Atomwaffenverbots. Eine besondere Herausforderung für die Kampagne ist die Tatsache, dass Deutschland es zulässt, die Bomben und die Bomber in Büchel zu erneuern, so dass die Bomben lenkfähiger und einsetzbarer werden. Im Falle eines Einsatzes sollen die Bomben von deutschen Pilot_innen geflogen werden.

Die Mitglieder der Jugenddelegation zur Überprüfungskonferenz des nuklearen Nichtverbreitungsvertrages bei der UNO nächstes Jahr Leonie Wanner und Dominikus Vogl haben die Vortragsrunde mit ihren Vorträgen zum Thema Divestment und Visionen über unsere atomwaffenfreie Zukunft geschlossen. So wurde erklärt, dass Divestment als Teil eines nachhaltigen und ethischen Investments gilt, bei dem Aktien, Anleihen, oder Fonds, die in irgendeiner Weise mit Atomwaffen zu tun haben, ausgeschlossen werden. Mit dieser Information ist es möglich für die Zuschauer_innen ihre persönlichen Investments, aber auch die ihrer Kommunen und Staaten zu überdenken. In der Vision der nuklearfreien Welt haben wir uns gefragt, wie es möglich sein könnte eine Welt des Vertrauens, geteilter Würde, Bewusstheit, über Abschreckung hinaus zu bilden. Es wurden Wege gezeigt, wie man sich der globalen Friedensbewegung anschließt, einen aktiven Dialog und Bewusstsein schaffen kann und einen politischen Wille ausspricht. Wir sind alle stark davon überzeugt, dass es möglich ist, Ideen in eine große Bewegung organisieren zu lassen und gegen Atomwaffen effektiv zu stehen. Als Beispiel gilt der erfolgreiche Kampf der International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN – Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen), die den Verbotsvertrag auf der UNO-Ebene vorangetrieben haben und der dieses oder spätestens nächstes Jahr ein Teil des internationalen Rechts sein wird – ganz egal, welche Haltung Atomwaffenstaaten und ihre Alliierten, wie die Bundesregierung, dazu haben.

unnamed.png
%d Bloggern gefällt das: