Ostermarsch Ellwangen

60 Jahre Ostermarsch: Friedensfahnen an Fenstern

Mutlangen/Ellwangen. Das 60-jährige Bestehen der Ostermärsche konnte nicht öffentlich auf den Straßen gefeiert werden. Die Ostermarsch-Organisatoren entwickelten aber virtuelle Alternativen und riefen dazu auf, Friedensflaggen aus den Wohnungsfenstern zu hängen. An ihren Wohnungen im Ostalbkreis zeigten die Friedensbewegten Flagge.

Die ungehaltenen Reden des Ostermarsches von Ellwangen können im Internet angehört werden. Roland Blach, der Koordinator der Kampagne „Büchel ist überall – atomwaffenfrei.jetzt“ zeichnete die Vision einer nachhaltigen zivilen Sicherheitspolitik auf. Carola Moser von der Mahnwache Elllwangen, die eigentlich mit der Jugenddelegation der Friedenswerkstatt Mutlangen zur UNO nach New York wollte, erklärte, dass „jetzt deutlich wird, dass die Gelder, die heute in Militär und Aufrüstung gesteckt werden, an anderer Stelle viel sinnvoller für die Menschheit eingesetzt wären.“

Die Anfänge: Der erste Ostermarsch war 1959 in England . Ein Jahr später rief Konrad Tempel mit seiner Freundin und späteren Frau Helga in Hamburg den ersten Ostermarsch in Deutschland ins Leben. In den 60er Jahren waren die Ostermärsche auch in Deutschland mehrtägig. An den Märschen nahmen neben Pazifisten, Rüstungsgegner aus der Arbeiterbewegung und religiös motivierte Einzelne teil. Mit den Jahren gingen an den Osterfeiertagen immer mehr Menschen an immer mehr Orten auf die Straße, um für ein Ende der atomaren Bewaffnung und des nuklearen Wettrüstens in beiden Lagern des Kalten Krieges zu demonstrieren. 1968 nehmen 300 000 Menschen teil.

Die drohende Notstandsgesetzgebung, die russische Niederschlagung des Prager Frühlings polarisieren die Auseinandersetzungen zwischen den weltanschaulich verschiedenen Gruppen und das Bündnis beginnt zu zersplittern.

Mit dem NATO-Doppelbeschluss und der folgenden Nachrüstungsdebatte erleben die Ostermärsche, nun in der Regel als eintägige Demonstrationen, in den 80er Jahren eine Renaissance.

In Mutlangen und Ellwangen: In Mutlangen war 1983 begleitend zum Ostermarsch eine erste Blockade des Atomwaffenlagers. Klaus Vack, der dann im September die Prominentenblockade imitierte, war einer der Ostermarschorganisatoren der ersten Stunde. 1984, nach der Stationierung der neuen Pershing-II–Raketen, gab es mit rund 30 000 Teilnehmenden mit dem Ostermarsch die größte Demonstration in Mutlangen, berichten die Veranstalter.

Nach Abzug der Atomraketen wurden die Ostermärsche in kleinerem Rahmen kontinuierlich fortgesetzt. Der Ostermarsch Ellwangen wurde dabei zu einer wichtigen regionalen Friedensveranstaltung in Süddeutschland.

Die nicht gehaltenen Reden des Ellwanger Ostermarsches gibt es zu sehen und zu hören unter www.ostermarsch.ellwangen.net

© Gmünder Tagespost 15.04.2020

Umkehr zum Frieden

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Mitglied unserer Jugenddelegation Carola Moser wäre Hauptrednerin gewesen. Da der Ostermarsch leider nicht physisch stattfinden konnte, hat sie ihre Rede aufgerezeichnet und die ist hier verfügbar.

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